Die Elternzeit als Neustart nutzen

Neustart nach der Elternzeit
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Wenn ein Kind geboren wird, steht die Welt erst einmal Kopf. Ganz gleich, ob es das erste Kind ist oder ob eine kleine Familie durch ein Geschwisterkind wächst, die Uhren laufen in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt erst einmal völlig anders. Die neuen Familienstrukturen müssen wachsen und alle Beteiligten brauchen Zeit, um sich an die neue Lebenssituation zu gewöhnen und im gemeinsamen Alltag anzukommen. Die Elternzeit soll den Freiraum schaffen, den Eltern und Kinder benötigen, um sich neu zu sortieren und sich an die veränderten Umstände anzupassen.

Doch nicht nur für das familiäre Miteinander sind diese Monate kostbar und sollten so gut es geht genutzt werden. Nicht selten werfen Väter und Mütter in der Elternzeit auch einen kritischen Blick auf ihre beruflichen Perspektiven. Die Auszeit vom Job kann hilfreich sein, um herauszufinden, ob der eingeschlagenen Berufsweg noch gut zum Leben als Familie passt und nicht zuletzt auch, wohin er mittel- und langfristig führen kann und ob die gewählte Richtung noch zufrieden und glücklich macht. Die veränderten Prioritäten, die die Geburt eines Kindes mit sich bringt, können die Findungsphase, in der Eltern sich auch beruflich in der Elternzeit befinden, maßgeblich beeinflussen. Und manchmal kommen Väter und Mütter zu einem Schluss, der vielleicht auch für sie selbst überraschend ist: Ein Neustart muss her.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für alle ein Thema

Oft sind es noch immer die Mütter, die sich nach der Geburt eines Kindes beruflich neu orientieren. Aber auch Väter nehmen immer häufiger eine ausgiebige Elternzeit in Anspruch und möchten auch im Anschluss daran ihr Arbeitszeitenmodell oder sogar ihre komplette berufliche Ausrichtung besser an den Familienalltag anpassen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen für Arbeitnehmer dabei meist an erster Stelle. Noch immer ist es in vielen Branchen nicht so einfach möglich, eine ausgiebige Elternzeit zu nehmen, ohne Karriererückschläge hinnehmen zu müssen oder nach der Auszeit in ein familienfreundliches Arbeitsmodell zurückzukehren. Männer sind von diesen Themen ebenso betroffen wie Frauen, wie Volker Baisch, Geschäftsführer der Väter gGmbH im Gespräch mit der Welt erläutert. Auch sie möchten sich vermehrt in den Familienalltag einbringen und sehen sich vielfach nicht mehr ausschließlich als Familienernährer, sondern auch als aktiver Bestandteil im Alltag der Kinder.

In den Familien sind die neuen Modelle längst angekommen, die die althergebrachte Rollenverteilung von dem Vater als alleinigem Familienernährer und der Mutter, die beruflich kürzer tritt oder sogar vorübergehend ganz aus dem Berufsleben aussteigt, um sich um die Kindererziehung zu kümmern, auf so vielfältige Art und Weise ablösen sollen. Einige Arbeitgeber haben bereits umgedacht und gemeinsam mit ihren Mitarbeitern familienfreundliche Arbeitszeitenmodelle entwickelt, die beiden Seiten Vorteile bringen können. Vor allem Frauen können mit dem richtigen Arbeitgeber an ihrer Seite den bis vor einiger Zeit noch scheinbar unvermeidlichen Karriereknick vermeiden, wenn sie zum Beispiel durch konsequente Weiterbildungen während der Elternzeitden Kontakt zum Berufsleben aufrechterhalten und sich den Weg für den Wiedereinstieg auf diese Weise selbst ebnen.

In der Arbeitswelt lässt die Umsetzung allerdings vielfach noch zu wünschen übrig und längst nicht in allen Branchen haben Eltern die notwendige Flexibilität, um eigene Familienmodelle langfristig umsetzen zu können. Die Notwendigkeit, die Familie finanziell zu versorgen, kollidiert hier noch immer mit dem Wunsch, starre Arbeitszeiten aufzubrechen und mehr Freizeit mit der Familie verbringen zu können. Die familienfreundliche Rückkehr in den Job ohne allzu große finanzielle Einbußen wird vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht leicht gemacht und vielfach stehen Väter und Mütter noch immer vor der Wahl, die Karriere abzuschreiben oder das Kind schon sehr früh in Fremdbetreuung zu geben. Eine vollkommene berufliche Neuorientierung ist manchmal die einzige Möglichkeit, um die eigenen Vorstellungen von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verwirklichen.

Berufliche Neuorientierung: So klappt der Schritt in das neue Arbeitsleben

Bei einer beruflichen Neuorientierung stehen neben familiären und persönlichen Interessen vor allem auch finanzielle Aspekte im Vordergrund. In der Elternzeit werden Familien je nach gewähltem Modell für mindestens 12 bis maximal 24 Monate durch das Elterngeld beziehungsweise Elterngeld Plus finanziell unterstützt. Läuft das Elterngeld allerdings aus, müssen Lösungen her, damit die Familie auch langfristig gut abgesichert ist. Wer nach der Elternzeit nicht in sein früheres Arbeitsverhältnis zurückkehren möchte oder kann, sollte deshalb frühzeitig die Weichen für die berufliche Neuorientierung stellen, damit keine Versorgungslücke entsteht.

Zunächst ist zu klären, wohin der berufliche Weg künftig führen soll. Hier ist es ganz wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um persönliche Stärken und Fähigkeiten mit den Wünschen und Erwartungen an eine berufliche Zukunft abzugleichen und bestmöglich in Einklang zu bringen. Wichtig ist dabei auch die Frage, ob für den Wechsel gegebenenfalls zusätzliche Qualifikationen erforderlich sind.

Weiterbildungen sind eine gute Möglichkeit, um den Einstieg in ein verändertes oder sogar völlig neues Berufsfeld zu erleichtern. Weiterbildungen sind heute in vielfältiger Art und Weise möglich. Besonders gut lässt sich zum Beispiel eine berufliche Qualifikation per Fernstudium mit der Elternzeit vereinbaren. Lernmodule, die bequem über einen Internetzugang zu Hause absolviert werden können, bieten größtmögliche Flexibilität und führen engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer oft schon in wenigen Monaten zur gewünschten Berufsqualifikation.

Ein Beispiel:

An der Professional School of Management, Innovation & Technology (PFH) können Interessierte per Fernstudium in nur zwei Monaten ein berufsqualifizierendes Zertifikat im Bereich Entwicklungspsychologie erwerben, das zum Beispiel auf eine bereits absolvierte Fachausbildung im sozialpädagogischen Bereich aufbaut. Das Zertifikat wird durch das Einsenden von Prüfungsaufgaben und die Teilnahme an einer Klausur erworben und kann vollständig über den heimischen Computer oder Laptop absolviert werden. Einige Hochschulen erkennen das Zertifikat inzwischen auch im Rahmen eines Fernstudiums in Psychologie zum Bachelor of Science (B. Sc.) an.

Wer eine Weiterbildungsmaßnahme als Start in ein weiterführendes Studium nutzen möchte, sollte sich allerdings im Vorfeld sehr genau darüber informieren, welche Leistungen zu erbringen sind, damit Lerninhalte und Prüfungen anerkannt werden können. Dies gilt insbesondere für Aus- und Weiterbildungen, die im Ausland absolviert wurden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat ein Infotelefon zur Weiterbildungsberatung eingerichtet, über das Interessierte sich über sämtliche Fragen rund um das Thema berufliche Weiterbildung informieren können. Hier werden Ansprechpartner vor Ort vermittelt und Fragen zu Finanzierungsmöglichkeiten und öffentlichen Förderungen von Weiterbildungen geklärt.

Wer finanziell auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich überleben, in Teilzeit im bisherigen Beruf weiterzuarbeiten und die übrige Zeit in intensive Weiterbildungsmaßnahmen zur Vorbereitungen des beruflichen Wechsels zu investieren. Eine Teilzeittätigkeit ist unter bestimmten Voraussetzungen sogar im Rahmen der Elternzeit möglich, ohne dass die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer aus dem Schutz des ruhenden Arbeitsverhältnisses während der Elternzeit herausfällt. Hier sollte allerdings geprüft werden, ob es sinnvoll ist, die Teilzeittätigkeit bereits während des Bezugs von Elterngeld aufzunehmen oder erst im Anschluss daran. Das erworbene Einkommen aus einer Teilzeittätigkeit wird nämlich in der Regel auf den Bezug des Elterngeldes angerechnet.

Übrigens: Auch wenn es nicht gleich der berufliche Neueinstieg werden soll, Weiterbildungen sind immer eine gute Möglichkeit, um sich für den Arbeitsmarkt interessant zu halten. Wer sich während der Babypause auch Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen nimmt, kann seinen Lebenslauf für den Wiedereinstieg damit kräftig aufbessern und zeigt außerdem, dass er beruflich auf dem Laufenden bleiben und nicht den Kontakt zur Arbeitswelt verlieren möchte. Aus dieser starken Ausgangsposition heraus lassen sich viele Projekte für die Zukunft deutlich leichter umsetzen.

Bildquelle: alphalight1 (CC0-Lizenz) / pixabay.com
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