Elterngeld für Selbstständige

Wir verraten Ihnen wie Sie Elterngeld als Selbständige beantragen und auch bekommen. Da bei selbstständiger Tätigkeit keine normale Gehaltsabrechnung vorhanden ist, gibt es beim Elterngeldantrag ein paar gravierende Unterschiede. Ihr Elterngeldstelle benötigt zusätzliche Nachweise und spezifischere Angaben. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie auch das einfach zu lösen ist.

Elterngeld für Selbstständige

Grundsätzlich haben alle Eltern das Anrecht auf Elterngeld und müssen hierzu einen entsprechenden Elterngeldantrag stellen. Eine Ausnahme bilden lediglich Elternteile oder Elternpaare, die im Jahr vor der Geburt des Kindes mehr als 250.000 beziehungsweise 500.000 Euro verdient haben. In diesem Fall erlischt der Anspruch auf Elterngeld. Die Antragstellung ist in den allermeisten Fällen identisch – einzig für Selbständige ist diese etwas komplexer und mitunter auch komplizierter. Dennoch können Eltern, die selbständig sind und somit kein Angestelltenverhältnis haben, Elterngeld erhalten. Für selbständige Eltern kann sich vor der Beantragung von Elterngeld oftmals eine Beratung lohnen. So hat man die Sicherheit, kein Potential ungenutzt zu vergeuden oder am Ende zu wenig Elterngeld zu erhalten.

Für das Basiselterngeld und das Elterngeld Plus gilt dies gleichermaßen. Es gibt für selbständige Mütter und Väter bei der Antragstellung für das Elterngeld zwar einige aufwändigere Vorgänge, allerdings ist man zum Teil auch ein wenig freier. Für Selbständige ist beispielsweise wichtig zu wissen, dass zur Berechnung des Elterngeldes nicht die letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes relevant sind. Stattdessen wird in aller Regel das letzte Wirtschaftsjahr herangezogen. Dies kann – falls nichts anderes festgelegt wurde – tatsächlich auch das letzte Kalenderjahr vor der Geburt sein. So ist es auch bei Eltern, die angestellt tätig sind.

 

Elterngeld für Selbständige: Das sollte man wissen

Rund um das Elterngeld gibt es für Selbständige einige wichtige Dinge zu wissen. Dazu zählen unter anderem auch die nachfolgenden Aspekten:

  • Zwölf Verdienstmonate
    Ihre letzten 12 Verdienstmonate spielen für die Berechnung Ihres zustehenden Elterngeldes eine Rolle. Hier wird entweder Ihr letztes Wirtschaftsjahr vor der Geburt Ihres Kindes herangezogen oder auch das letzte Kalenderjahr vor der Geburt. Welcher Zeitraum berücksichtigt wird, kann bei der zuständigen Elterngeldstelle erfragt werden.
  • Selber entscheiden
    Als selbständige Eltern entscheiden Sie nicht mehr selbst welcher Zeitraum als Bemessungsgrundlage herangezogen wird. Bis zum Jahr 2012 war dies möglich. Inzwischen wurde diese Regelung zugunsten einer einfacheren Verwaltung geändert.
  • Ausnahmen
    Bezogen Sie im festgelegten Zeitraum der Bemessung bereits Elterngeld für ein anderes Kind oder waren Sie durch Ihre Schwangerschaft beeinträchtigt, wodurch sich ein geringeres Einkommen ergab, kann ein anderer Bemessungszeitraum festgelegt werden. Hierzu fordert die zuständige Elterngeldstelle allerdings entsprechende Nachweise von Ihnen.
  • Verschiebung des Bemessungszeitraums
    Eine Verschiebung müssen Sie bei der Elterngeldstelle beantragen. Wird Ihrem Antrag zugestimmt, wird in aller Regel das letzte Wirtschaftsjahr zur Errechnung des zustehenden Elterngeldes herangezogen.

 

Elterngeld bei Mischeinkünften aus selbständiger Arbeit und Angestelltenverhältnis

Es gibt auch Eltern, die fest angestellt sind und nebenberuflich noch selbständig arbeiten. In einem solchen Fall werden alle Einkünfte aus dem letzten Wirtschaftsjahr vor der Geburt des Kindes berücksichtigt. Als Elternteil müssen Sie in diesem Fall alle Einkünfte nachweisen – am besten ist es, wenn Sie die notwendigen Nachweise bereits bei der Beantragung von Elterngeld mit abgeben. So sparen Sie sich mitunter weitere Rückfragen, die eine Bearbeitung verlangsamen könnten.

Die erzielten Einkünfte aus Ihrer selbständigen Tätigkeit müssen somit in jedem Fall berücksichtigt werden. Das gilt auch, wenn Ihr Gewerbe inzwischen abgemeldet ist oder Sie inzwischen nur noch angestellt tätig ist. Also auch, wenn Sie inzwischen beispielsweise mehr verdienen. Dann wird für die Berechnung IhresElterngeldes dennoch das geringere Einkommen als Bemessungsgrundlage herangezogen. Somit kann es für Eltern in der Selbständigkeit durchaus auch zu Nachteilen führen, die dann eine geringere Auszahlung zur Folge haben.

Selbstständig weiterarbeiten während Elterngeld bezogen wird?

Grundsätzlich haben Sie als Selbständige aber auch den Vorteil, dass sie während des Bezugs von Elterngeld weiterhin arbeiten können und dürfen. Bis hin zu maximal 30 Stunden in der Woche dürfen selbständige Eltern auch in der Zeit arbeiten, wenn sie Elterngeld erhalten. Arbeitet man mehr, also beispielsweise 31 Wochenstunden, erlischt der Anspruch auf Elterngeld komplett.

Ihr Einkommen, das Sie während der Elternzeit erzielen, wird auf Ihr Elterngeld allerdings angerechnet. So können sich hierdurch auch geringere Ansprüche auf Elterngeld für Sie ergeben. Dazu zählt auch, dass Rechnungen aus früheren Zeiten berücksichtigt werden, wenn diese während des Bezugszeitraums erst beglichen werden. Zur Anrechnung führen die Elterngeldstellen eine Differenzrechnung durch. Ihr antragstellender Elternteil muss dafür eine Prognose abgeben, wie hoch das Einkommen während der Bezugszeit ausfällt. Dies wird dann bei der Berechnung des Elterngeldes entsprechend berücksichtigt.

Eine Ausnahme gibt es, wenn das Gewerbe während der Bezugszeit für das Elterngeld ruht und der Elternteil nicht arbeitet. Wird in diesem Fall dennoch eine Rechnung beglichen, wird dieses Einkommen nur bei einem Monat angerechnet und nicht anteilig für alle Monate, in denen Elterngeld bezogen wird.

Tricks & Vorteile bei Elterngeld als Selbständige

Als selbstständige Klein- oder Einzelunternehmer können Sie während Ihrer Elternzeit ein paar Gestaltungsspielräume ausnutzen.

  • Elternzeit pausieren: Sie können Ihre Elternzeit bis zu zweimal für einen Monat unterbrechen. Diese Unterbrechung lässt sich für die Rechnungsstellung nutzen. So müssen diese nicht vom Elterngeld abgezogen werden.
  • Mehr Elterngeld: Sie können Einfluss auf Ihre Bemessungsgrundlage nehmen, indem Sie Ihr Einkommen im Bezugszeitraum anheben (weniger Ausgaben gültig machen etc.).
  • Rechnungsverschiebung: Während der Elternzeit arbeiten und die Rechnungsstellung / Zahlungseingänge nach der Elternzeit legen (bei Einzelunternehmen mit wenigen Kunden oftmals realisierbar)

Weitere Informationen zum Elterngeld bei Selbständigkeit

Wichtig zu wissen ist es für selbständige Eltern ebenfalls, dass die Elternzeit nicht zwingend „in einem Stück“ genommen werden muss. Sie kann auch aufgeteilt werden, wodurch sich dann andere Zeiträume für die Berechnung ergeben.

Zur Beantragung  von Elterngeld müssen Eltern, die selbständig arbeiten, entsprechende Nachweise vorlegen. Der Einkommensteuerbescheid wird beispielsweise benötigt, in einigen Fällen auch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Ebenso wird auch eine Prognose benötigt, wenn innerhalb des Bezugszeitraums für Elterngeld weiterhin gearbeitet werden soll. Ansonsten sind alle Unterlagen wichtig, die auch bei Eltern gefragt sind, die angestellt arbeiten.

Gut zu wissen:

Elterngeld wird bei Selbständigen immer nur „unter Vorbehalt“ bewilligt. Nach Ende des Bezugszeitraums muss dann nachgewiesen werden, welche Einkünfte es gab und wie viel gearbeitet wurde. Eventuell ergibt sich daraus eine Nachzahlung – oder die Elterngeldstelle verlangt eine Rückzahlung.

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